| | Palästinalied | Palästinalied |
| 1 | Álrêrst lébe ich mir werde, sît mîn sündic ouge siht daz here lant und ouch die erde, der man sô vil êren giht. ez ist geschehen, des ich ie bat: ích bin komen an die stat, dâ got menischlîchen trat. | Nun erst lebe ich würdig, seit mein sündiges Auge sieht das reine Land und auch die Erde, der man so viel der Ehren gibt. Mir ist passiert, worum ich stets bat ich bin an die Stätte gekommen, wo Gott die Menschwerdung antrat. |
| 2 | Schoeniu lant, rîch unde hêre, swaz ich der noch hân gesehen, sô bist dûs ir aller êre. waz ist wunders hie geschehen! daz ein magt ein kint gebar, hêre über áller engel schar, wáz daz niht ein wunder gar? | Schöne Länder, reich und herrlich, was ich von solchen bis heute gesehen, so bist du ihrer aller Krone. Was für ein Wunder ist hier geschehen! Daß eine Magt ein Kind gebar, erhaben über aller Engel Schar, war das nicht ein vollkommenes Wunder? |
| 3 | Hie liez er sich reine toufen, daz der mensche reine sî. dô liez er sich hie verkoufen, daz wir eigen wurden frî. anders waeren wir verlorn. wól dir, spér, kriuze únde dorn! wê dir, heiden, dáz ist dir zorn! | Hier ließ er, der Reine sich taufen, damit der Mensch rein sei. Dann ließ er sich hier verkaufen, damit wir Leibeigene frei würden. Anderenfalls wären wir verloren. Wohl Dir, Speer, Kreuz und Dorn! Weh Dir, Heiden, das ist Dir ein Ärgernis! |
| 4 | Dô ér sich wolte über úns erbarmen, dô leit er den grimmen tôt, ér vil rîch über úns vil armen, daz wir komen ûz der nôt. daz in dô des niht verdrôz, dâst ein wunder alze grôz, aller wunder übergenôz. | Da er sich wollte unsrer erbarmen, da erlitt er den grausamen Tod, er, der Allmächtige, über uns so Armselige, damit wir entkämen der Not. Daß ihn das damals nicht verdroß, das ist ein Wunder übergroß, das aller Wunder, seinesgleichen nicht hat. |
| 5 | Hinnen vuor der sun ze helle, vón dem grábe dâ ínne lac. des wás der vater ie geselle únd der geist, den nieman mac sunder scheiden, éz sî ein, sleht und ebener danne ein zein, als er Abrahâme erschein. | Von hier fuhr der Sohn zur Hölle, von dem Grabe, darin er lag. Dabei war stets des Vaters Beistand und der Geist, den niemand kann gesondert scheiden, es soll eins sein, klar und weiter als ein Schein, so wie er Abraham erschien. |
| 6 | Dô ér den tuifel álsô geschande daz nie keiser baz gestreit, dô vuor ér her wíder ze lande. dô huob sich der juden leit: dáz er, hêrre, ir huote brach und dáz man ín sît lebendig sach, dén ir hant sluog unde stach. | Als er den Teufel dort geschunden, wie nie ein Kaiser besser stritt, da kam er wieder zum Land. Da hob sich an der Juden Leid: Daß der Herr ihre Bewachung brach und daß man ihn dann lebend sah, den ihre Hand schlug und stach. |
| 7 | Da nâch was er in dem e lande vierzic tage, dô vúor er dar, dannen in sîn vater sande. sînen geist, der uns bewar, dén sant ér hin wider ze hant. heilig ist daz selbe lant, sîn náme, der íst vor got erkant. | Danach war er in dem Lande vierzig Tage, dann fuhr er dorthin, woher ihn sein Vater sandte. Seinen Geist, der uns bewahre, den sandte er gleich wieder her. Heilig ist eben dieses Land, sein Name, der ist vor Gott anerkannt. |
| 8 | In daz lant hât er gesprochen einen angeslîchen tac, dâ der weise wirt gerochen und diu witwe klagen mac und der arme den gewalt, den man hât mit in gestalt. wol im dort, der hie vergalt! | Auf das Land hat er gesprochen einen schrecklichen Gerichtstag, an dem der Waise wird gerächt und die Witwe Klage erheben kann und der Arme gegen die Gewalt, die man ihnen angetan hat. Wohl ihm dort, der hier vergilt! |
| 9 | Únserre lántréhter tihten fristet dâ niemannes klage, wan er wíl dâ zé stunt rihten. sô íst ez an dem lesten tage. und swer deheine schulde hie lât unverebent: wie der stât dórt, dâ er pfánt noch bürgen hât. | Nicht wie unsere Landrichter täten schiebt man da niemandes Klage auf, denn er wird da sofort richten. So wird es am letzten Tage sein. Und wer irgendeine Schuld hier läßt ungetilgt: Wie steht der da, dort, da er weder Pfand noch Bürgen hat. |
| 10 | Ír lât iuch des niht verdriezen, daz ich noch gesprochen hân? sô wil ich die rede entsliezen kurzwîlen und iuch wizzen lân, swáz got wúnders hie noch lie, mit der werlte ie begie, daz huob sich dort und endet hie. | Ihr laßt euch dessen nicht verdrießen, was ich bis jetzt gesprochen habe? so will ich die Rede weiterführen in Kürze - und euch wissen lassen, was Gott an Wundern hier noch werden ließ und für die Welt ins Werk gesetzt hat, das hub dort an und wird hier enden. |
| 11 | Kristen, juden und die heiden jehent, daz díz ir erbe sî. gót, müeze éz ze rehte scheiden durch die sîne namen drî. al diu werlt, diu strîtet her: wir sîn an der rehten ger. reht ist, daz er uns gewer! | Christen, Juden und die Heiden behaupten, daß dies ihr Erbe sei. Gott müsse es zu Recht entscheiden um seiner drei Wesenheiten willen. Die ganze Welt, die streitet hierüber: Wir sind an der rechten Seite. Recht ist, daß er es uns gewähre! |
| 12 | Mê dann hundert tûsent wunder hie in disem lande sint, dâ von ich niht mê besunder kan gesagen als ein kint, wan ein teil von unser ê. swem des niht genúoge, der gê zúo den júden, die ságent im mê. | Mehr denn hunderttausend Wunder sind hier in diesem Lande, davon ich nicht mehr im einzelnen sagen kann als ein Kind, außer einem Teil von unserem Recht. Wem dies nicht genügt, der gehe zu den Juden, die sagen ihm mehr. |
| 13 | Vrowe min, durch iuwer güete nu vernemet mine clage, daz ir durch iuwer hochgemüete nicht erzuernet, waz ich sage. Vil lihte daz ein tumber man misseredet, als er wol kann. daran solt ir iuch nicht keren an . | Meine Dame, durch eure Güte vernehmt nun meine Klage, damit ihr durch euer hohes Gemüt von dem was ich sage nicht erzürnt. Vielleicht, daß ein ungeschickter Mann schlechter redet als er könnte daran sollt ihr euch nicht stören. |
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